26 Apr

Die Ur-Oma und der Ur-Enkel.

Kaum war unser Sohn auf der Welt, kam schon die Frage, oder besser die Aussage,  meiner 94-jährigen Oma:

„Ich sehe meinen Urenkel doch wohl noch, bevor ich sterbe, oder? Ich verstehe ja, dass Ihr nicht in den ersten Tagen kommen könnt, aber zu Ostern wäre ja schon nett.“

Ostern war genau acht Tage nach der Geburt, da weiss man, was Sache ist. Aber am Ostersonntag in ein Altenheim fahren? Nein, das kam nicht in Frage.  So ein Kleinkind ist ein „Tüddel-Magnet“, jeder will mal knuddeln. Das wollte ich weder meinem Sohn, noch meiner Frau, noch mir selbst zumuten.

Wir fanden einen Kompromiss. Wir fahren am ersten Tag nach den Feiertagen und treffen uns mit der Ur-Oma auf neutralem Gebiet im Garten. Dann haben wir unsere Ruhe und Oma hat Piet endlich mal gesehen.

Diese Autofahrt war die Erste seit der Fahrt aus dem Krankenhaus nach Hause. Unser Kind sieht immer noch ein wenig verloren in dem Maxi-Cosi aus, aber Autofahren ist an sich offenbar kein Problem, er hat friedlich geschlummert und wir kamen heile in Schiefbahn (Willich) am Altenheim an.

Ur-Oma und Ur-Enkel
Ur-Oma und Ur-Enkel

Soweit, so gut. Der Plan ist leider nicht so ganz aufgegangen. Es waren reichlich Bewohner des Anwesens im Garten, und die kamen alle bei uns vorbei. Allerdings muss ich zugeben, dass meine stolze Omi ein wirklich netter Anblick war. Ich hätte doch noch Fähnchen mit der Aufschrift: „Das ist MEIN Ur-Enkel“ drucken lassen sollen. 😉

Aber so war es auch gut, konnte Sie den Satz doch immerhin mindestens ein Dutzend mal an den Mann oder die Frau bringen, mit einem breitem Grinsen im Gesicht.

Leider hat die zweite Ur-Oma, im gleichen Alter aber mit Demenz,  nicht mehr verstanden, dass Sie eine geworden ist. Schade.

Etwas später, als sich einige wenige der interessierten Passanten nicht zurückhalten konnten und den Kleinen anfingen zu begrabbeln, wurde es meiner Frau zu viel und wir flüchteten. Meine Oma schaffte es noch den erwarteten Satz zu sagen:

„Aber du kommst doch jetzt öfter mit meinem Ur-Enkel vorbei, ich habe doch nicht mehr so viel Zeit.“

Wo Sie Recht hat, hat Sie Recht. 🙂

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