16 Feb

Die Sache mit dem „Mädchengeburtstag“

Als wir umzogen und unser Sohn in der neuen Stadt in den Kindergarten kam, kannten wir hier niemanden. Ich dachte noch: Alles kein Problem, über den Kindergarten werden wir sehr schnell neue Kontakte finden. Das war dann doch nicht ganz richtig.

Das ging ja bereits wieder mit unserem „Standard-Problem“ los, auch wenn meine Frau bei wichtigen Erlebnissen im Leben unseres Kindes stets dabei ist, so habe ich logischerweise im Alltag die meiste Präsenz-Zeit mit unserem Kind, mit dem Eintritt in den Kindergarten reduzierte sich das zwar erheblich, aber die Tendenz bleibt dabei erhalten. Bei der Eingewöhnung blieb ich also meist dort, aber es ging genau genommen rekordverdächtig schnell. Unser Sohn hatte da noch nie Schwierigkeiten.

Einhörner, Ponys, Arihörner und Pegasusse
Einhörner, Ponys, Arihörner und Pegasusse

Als Vater unter Müttern ist das so eine Sache, ich habe es hier im Blog schon öfters beschrieben, aber es ist eben etwas komplizierter. Zuerst müssen die anderen Personen (Mütter) realisieren, dass ich Hausmann bin, es steht ja nicht auf der Stirn und dann müssen diese erst langsam verstehen, dass ich weiß, wie man einen Kuchen backt und wo man was am besten Einkaufen kann und welcher Discounter gerade Kinder-Klamotten im Angebot hat. Das dauert.

Es ist nicht so, dass Frauen nicht in Stereotypen und Schubladen denken. Ich bin ein Mann, also muss ich mich mit Fußball auskennen und Bier trinken? Das alleine löst schon erhebliches Unverständnis aus, dabei konnte ich mit Fußball und Bier noch nie viel anfangen, dass hat nicht erst mit unserem Kind begonnen.
Geht es auch noch um Kinderbetreuung, wird es richtig lustig. Ich erinnere mich gut daran, wie verdutzt manche Frauen auf Spielplätzen schauten, wenn ich als Tagesvater in ca. 30 Sekunden eine Windel wechselte. Im Ernst, das hat für Aufsehen gesorgt. (Könnte auch an den schwarzen Einweg-Handschuhen gelegen haben 😉 )

Das ist jetzt schon lange her, aber es fällt mir immer wieder auf, wie seltsam (überrascht) Frauen reagieren, wenn ich irgendwo als Mann mit Fachkenntnis in Haushaltsdingen aufwarte. Warum eigentlich?
Ich will das hier jetzt gar nicht weiter ausführen, es soll nur wieder deutlich machen, dass der Alltag als Hausfrau nicht unbedingt einfacher wird, wenn man ein Mann ist. 🙂

Auf jeden Fall klappte das mit den neuen Kontakten im Kindergarten nicht auf Anhieb. Da dachte ich noch, dass zumindest unser Sohn da keine Schwierigkeiten haben würde, aber im Detail wurde es dann doch wieder kompliziert. Unser Kind hatte sich viele neue Freunde gesucht, mit denen er sehr gerne spielte. Alles Mädchen.

Weder die Mädchen, noch unser Sohn hatten damit ein Problem und die Eltern auf den ersten Blick auch nicht.

Regelmäßig kam unser Sohn nach Hause und berichtete, dass eine seiner Freundinnen Geburtstag hatte. Eingeladen wurde er aber so gut wie nie. Ich fand das seltsam, also sprach ich eine Mutter darauf an. Die druckste ein wenig rum, um dann damit raus zu rücken, dass ihre Tochter unseren Sohn schon einladen wollte, aber dann wäre er der einzige Junge gewesen, das wollte man ihm nicht antun. O.K., das saß. Ich war sprachlos.

Leider konnte ich daran nichts machen und blickte regelmäßig in das traurige und verständnislose Gesicht unserer Kindes. Wie sollte er auch verstehen, dass er nicht eingeladen wird? Wir kamen in echte Erklärungsnöte. Das einzige, was ich machen konnte, war, möglichst viel im Kindergarten präsent zu sein, sozusagen „Lobbyarbeit“ betreiben. Mit der Aufnahme in den Elternrat wurde die Sache dann erheblich einfacher.

„Endlich mal wieder ein Mann im Elternrat, das hatten wir seit 20 Jahren nicht.“

Ob es jetzt daran lag, oder nicht, auf jeden Fall hat sich rum gesprochen, dass unser Sohn die Eiskönigin und alle Disney-Prinzessinen toll findet, er rosa und pink mag und auf Pony, Einhörner, Arihörner, und Pegasusse steht. Spätestens seit er Ballett macht, dürfte auch der letzten Mutter klar geworden sein, dass ich als Mann und Vater dem nicht im Wege stehe.

Dieses Jahr trudelt hier eine Einladung nach der anderen ein, alles „Mädchengeburtstage“. Der Geburtstag unseres  Sohnes nähert sich auch in großen Schritten und auf seiner Gästeliste findet sich bisher kein Junge.

Ein anderer Vater fragte mich, ob ich das nicht seltsam finden würde, dass mein Junge auf Prinzessinen steht. Als ich fragte, was sein Sohn toll findet, antworte er, sehr betont: „Spiderman und Batman, ach, und natürlich Darth Vader.“

Meine Antwort brachte ihn dann sichtlich aus dem Konzept.

„Also mein Sohn steht auf hübsche und gebildete Frauen mit Einfluss, dein Sohn auf männliche, reaktionäre, konservative, gewaltbereite Anarchisten mit Masken, die offensichtlich einen Minderwertigkeitskomplex kompensiert durch ein Super-Ego haben –  und meiner ist seltsam?“

Ich mag übrigens Comics, nur, falls hier ein falscher Eindruck entstehen sollte. 🙂

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