18 Aug

Die Rur-Olef-Route – drei Tage Wandern in der Eifel

Am Donnerstag Abend erreichte ich mein Hotel in Gemünd, am nächsten Morgen sollte es losgehen, 21 Km nach Einruhr über 550 Höhenmeter. Mein Auto ließ ich am Hotel stehen und machte mich mit der Wegbeschreibung der Empfangsdame auf den Weg zum Weg, denn das „Haus Salzberg“ liegt nicht direkt am Eifelsteig, wie zum Beispiel die Jugendherberge in Gemünd. „Den Berg hoch, immer geradeaus bis zum Pferdestall, dann links“ sagte man mir zum Abschied, es hörte sich nicht weiter schwierig an.

Irgendwas an „immer geradeaus“ hatte ich dann aber wohl doch falsch verstanden, nach 45 Minuten war mir immer noch kein einziges Wanderzeichen untergekommen und ich war oft vor die Entscheidung gestellt worden, rechts oder links zu gehen. Da konnte was nicht stimmen, weder Kompass noch Karte halfen mir irgendwie weiter. Glücklicherweise hatte ich mein kleines Note-Pad mitgenommen, eigentlich um das Blog zu schreiben, aber es verfügt zufällig auch über GPS und eine topografische Karte. Damit war dann schnell klar: Ich war richtig falsch. Nicht in der völlig falschen Richtung, immerhin, aber falsch. Statt auf den Eifelsteig war ich auf der „Wanderroute 14“ gelandet, direkt über den Lieberg. An sich nicht weiter schlimm, nur eben nicht der Weg, den ich gehen wollte. Im Lahsbachtal kam ich dann auf den Eifensteig, der mich nach Einruhr bringen sollte. Ich hatte einen Berg und 3 Km Umweg erlaufen, super Start.

Urfttalsperre
Urfttalsperre

Es ging über die „Burg Vogelsang“ zur Urfttalsperre und weiter nach Wollseifen. Dort gab es keinen Wald, sondern ein Schild auf dem stand: „Hier ensteht der Eifelwald bis 2035“ (oder sinngemäß)

Was soviel bedeutet wie: „Jetzt ist halt noch kein Wald da.“


Dafür gab es reichlich grobe Schotterwege, Ginsterbüsche und Sonne. Ich kam mit vor wie in Südspanien, die Ginsterbüsche knackten einen Technobeat in die heiße Luft, Eidechsen rannten um ihr Leben und ich musste einsehen, dass zwei Liter Wasser vielleicht doch ein Liter zu wenig war. Damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Regelmäßg ermahnten einen weitere Schilder ja nicht den Weg zu verlassen wegen „Todesgefahr“, schönen Urlaub wünsche ich. Glücklicherweise hatte ich eh nicht vor mich mit einer Machete durch die Büsche zu schlagen um nach alten Bomben zu suchen.

Wie in Spanien
Wie in Spanien

Insgesamt kam ich aber noch zügig voran, nach dem Krebsberg war ich dann aber doch ganz gut fertig und war wirklich froh, endlich in Einruhr anzukommen. Für die insgesamt 24 Km (mit Umweg) hatte ich 5,5 Stunden gebraucht. Das „Hotel Sonnenhof“ sollte meine nächste Übernachtung sein, das lag auf einem Berg. Ich quälte mich nach oben und war kurze Zeit später glücklich, endlich auf einem Bett liegen zu können. Allerdings nicht sehr lange, denn das war völlig durchgelegen. Daher wollte ich erstmal (nach der Dusche) einen Kaffee trinken gehen. „Draußen nur Kännchen„, ich wäre fast vor Lachen vom Stuhl gefallen, aber der holländische Koch machte leider keinen Witz. Ich bestellte noch ein gemischtes Eis und bekam das schlechteste Eis, das ich seit mindestens 15 Jahren gegessen habe, danach war mir der Appetit auf die 8,90 Euro Backkartoffel, die ich als Abendessen geplant hatte, irgendwie vergangen. Stattdessen ging ich zur Rezeption und fragte nach dem W-Lan-Schlüssel. Diese Frage wahr wohl zu komplex, ich musste erläutern, dass ich damit ins Internet (Neuland) möchte, das schien zu helfen und man brachte mir ein: WLANKABEL, kein Witz jetzt, das sollte 5 Euro extra kosten. Da konnte ich aber nicht wirklich was mit anfangen. Am liebsten wäre ich sofort weiter gelaufen, aber meine Füße ließen das nicht zu.

Todeszone
Todeszone

Am Samstag ging es dann von Einruhr nach Hellenthal, offiziell 20 Km mit 300 Höhenmetern, allerdings wurde da der Weg vom Hotel zum Weg nicht mitberechnet, bis zur ersten Wegmarke brauchte ich gut über 30 Minuten, also ca. 2 km. Auf dem Schild war dann Hellenthal mit 20 Km angegeben, insgesamt gehe ich also von 22 km aus. Mein Beine waren echt schwer und die Füße etwas wund, der erste Tag war definitiv einfach zu lang. Dafür wurde ich mit dem schönsten Teilstück des Weges belohnt, bis zum Ende des „Schöpfungspfades“ war es wirklich toll, danach war ich wieder in der „Todeszone“, die ohne Bäume. Das blieb so bis Schöneseiffen, da habe ich mich offenbar erneut verlaufen, auch diesmal nicht wild, aber ich stand plötzlich auf der L207 und musste ca. 1162 Motorradfahrern ausweichen.

Wo zur Hölle bin ich?
Wo zur Hölle bin ich?

Nachdem ich den Wanderparkplatz „Schöneseiffen“ gefunden hatte, ging es auf dem richtigen Weg weiter nach Hellenthal, überwiegend über offene Schotter-Feldwege, eine Wohltat für die Gelenke und Füße (Achtung Sarkasmus). Die letzten Kilometer bis zum „Hotel Berghof“ waren eine einzige Quälerei. Ich befürchtete schon das Schlimmste, wegen dem Berg in Berghof, aber so hoch war es dann doch nicht. Das Hotel war übrigens das Beste von den drei Übernachtungen und wiklich empfehlenswert. An diesem Tag war ich insgesamt 7 Stunden unterwegs, ohne die Pausen. Meine Füße hatten inzwischen dicke Blasen an den Fersen, ich freute mich auf die letzte Etappe, denn die war ja nur 17 Km lang. Da ich den Weg „verkehrt herum“ laufen musste, die Hotels waren anders nicht zu buchen, hatte ich die leichteste Etappe am Schluss. Das musste noch irgendwie gehen.

Feldwege
Feldwege

Der Weg nach Gemünd war aber leider auch mit Abstand der unschönste, die Straße war fast immer zu hören, meine geliebten Buchenwälder Fehlanzeige, dafür stehen dort viele Schilder, die erklären, warum es hier keine Bäume gibt. Natürlich nicht auf der gesamten Strecke. 😉 Vom Ortseingang bis zum Hotel brauchte ich noch einmal 30 Minuten, insgesamt war ich für die ca. 19 Kilometer 6 Stunden ohne Pause unterwegs. Dabei stellte ich zufällig fest, dass der „Wildnestrail“ direkt hinter dem „Hotel Salzberg“ langläuft. Dieser sehr gut markierte Weg führt in beiden Richtungen auf den Eifelsteig. Hätte ich das mal vor drei Tagen gewusst. 🙂

Fazit: Ich habe die Zeit in der freien Natur sehr genossen, lieber wären mir natürlich keine Schmerzen bein Laufen gewesen, aber ganz ohne geht es vermutlich auch nicht. Der Gepäcktransfer über die Nordeifel Tourismus GmbH hat gut funktioniert, würde ich aber nicht noch einmal in Anspruch nehmen, die 3 Kilo zusätzlich hätte ich sicher auch so gut geschafft. Wer, so wie ich, Anfänger ist, sollte sich eher weniger als 20 Km am Tag zumuten, die Eifel ist nicht das Rheinland. Ohne das GPS wäre ich insgesamt dreimal wirklich aufgeschmissen gewesen, also besser eines in der Tasche haben. Zwei Liter Wasser sind zu wenig, zumindest im Sommer, die waldfreien Flächen haben es in sich, besser drei Liter mitnehmen, denn Auffüllen geht nur in der Ortschaften.

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