16 Nov

Das Spielzeug hat nicht die Schuld, auch nicht die Farbe. #gendering

Mit Rollenklischees setze ich mich, nicht ganz freiwillig, nun seit fünf Jahren auseinander. Egal, wo ich hinkam, die Klischees waren schon da. In der Krabbelgruppe versuchten die Frauen (es waren tatsächlich nur Frauen anwesend), stets mit mir zuerst über Fußball und Autos zu reden. Themen, die mich noch nie interessierten, aber man wollte mir wohl einen Gefallen tun. „Machen Sie auch die Wäsche zu Hause? Wirklich? Und Putzen?“

Väter fanden es gut, dass ich (als Hausmann) direkten Einfluss darauf nehmen konnte, unseren Sohn zu einem „echtem“ Mann zu erziehen und er nicht nur von Frauen verweichlicht wird. Sie selber mussten ja so viel arbeiten und fanden es besorgniserregend, dass die Betreuung nur Frauen übernehmen. Viele sagten sie wären ja auch gerne zu Hause geblieben, aber Putzen und Wäsche machen käme für sie nicht in Frage, ist eben Frauensache, kleine Hände und so, aber die freie Zeit für sich, die wäre sicher toll.

Ich überzeichne hier viel weniger, als manche vielleicht denken mögen.

Das Bloggen brachte mich dann auch in Diskussionsrunden und Interviews, die stets das verdrehte Rollenbild als Aufhänger nahmen. Das kann ich auch gut verstehen, bloß, es würde überhaupt niemanden interessieren, wäre ich eine Frau. Als Mann war ich dann durchaus mehr als einmal der „Softie“, der seine Männlichkeit verloren hatte.
Zum Glück mache ich meine Männlichkeit schon lange nicht mehr an Klischees fest, ich habe es zu Beginn versucht, aber eingesehen, dass dies mein Leben kein Stück glücklicher macht.

Als unser Kind älter wurde, änderte sich auch mein Blick auf das Umfeld. Unser Kind mag rosa und Glitzer und Prinzessinnen. Für die Kritiker und Trolls im Netz war klar, ich habe versagt und unseren Jungen „schwul“ erzogen. Die Original-Kommentare waren allerdings wesentlich weiter unter der Gürtellinie. Diese Kommentare haben bei mir dafür gesorgt, dass ich eine „jetzt erst recht“ Einstellung an den Tag legte. Ich setze mich nun bewusst gegen Stereotypen ein, auch bei Spielzeugen für Kinder.

Viele meinen, wir haben größere Probleme, als „Gender-Mist“, ich frage mich immer, wie viele Probleme wir nicht hätten, wenn man Kindern nicht von vorne herein den freien Willen nimmt. Genau so sehe ich das. Ich habe live gehört wie Mütter oder Väter ihren Kindern das Spielen mit Spielzeug für das vermeintlich andere Geschlecht verboten haben, hat mal irgendjemand darüber nachgedacht, was daraus später resultiert? Noch im Kindergarten-Alter führte das zu Ausgrenzung, Beschimpfung und Schlägen, auf beiden Seiten. Glaubt irgendjemand, im Berufsleben ändert sich das wieder? Nur die Mittel ändern sich, die Einstellung bleibt oft erhalten.

Gerade stolperte ich bei Twitter über einen Aufreger im neuen Versandkatalog eines sehr bekannten Kaffeerösters:

Die Unterteilung in Spielzeug für Mädchen, hier ein Putzwagen und in Spielzeug für Jungen, eine Ritterburg.

Ja, ich finde es nicht richtig, dass es dort eine Unterteilung gibt, die ist absolut unnötig. Ich finde es auch falsch, nur ein Mädchen neben dem Putzwagen abzubilden.
ABER ich finde es gut, dass der Putzwagen nicht rosa ist und ich finde den Putzwagen gut. Das können viele nicht nachvollziehen.
Ein Putzwagen als Spielzeug wäre abartig, das ginge gar nicht, weder für Jungen, noch für Mädchen.

Ich sehe das völlig anders.

Ein Putzwagen, ebenso eine Spielküche oder Puppenwagen, sind die Grundausstattung für Tageseltern und das aus einem gutem Grund. Sie helfen Kindern bei Rollenspielen, die für die Entwicklung sehr wichtig sind. Fatal ist es nur, die Rolle an das Geschlecht zu binden, das machen aber leider meist die Eltern.

https://twitter.com/machmirdiewelt/status/796388386659598336

Das Spielzeug, also in diesem Fall der Putzwagen, sind pädagogisch sehr sinnvoll. Die Einteilung in Jungen-Spielzeug und Mädchen-Spielzeug hingegen in meinen Augen eine echte Katastrophe.

In der Tagespflege spielen die Jungen und die Mädchen gleichwertig miteinander und tauschen auch ganz selbstverständlich die Rollen. Da sind die Mädchen auch mal der Vater und die Jungen sind die Mutter. Als Erwachsene scheinen wir diese Fähigkeit komplett verlernt zu haben.

Ich selber habe mich zu Beginn sehr schwer damit getan und musste viele Dinge mühsam lernen, Stereotypen prägten auch meine Kindheit, aber diesen Irrsinn von heute, den gab es so nocht lange nicht. In diese Rollenspiele mit Vorgaben einzugreifen hat fatale Folgen für später, da bin ich sicher.

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