2 Jul

Assassination Tango

Den Wiener-Walzer-Workshop in „Tommys Tanzstudio“ haben wir ja, einigermaßen erfolgreich, gerade hinter uns gebracht, als nächstes Stand „Tango Argentino“ oder „Milonga“ auf dem Programm. Milonga wäre mir persönlich lieber gewesen, war aber als Kurs nicht zu finden.

Tipp: Für Milonga mal bei El Rey Del Compas reinhören. „Dieser Tanzstil ist keineswegs auf den gleichnamigen Musikstil des Tango beschränkt.“ Wikipedia

Da wir jemanden brauchen, der auf unser Kind aufpasst, sind wir regional etwas eingeschränkt. Wir hatten daher mit dem „Zollhaus“ auf der Hardt in Willich Kontakt aufgenommen, dies war auch nötig, denn die Homepage wurde seit sechs Jahren nicht aktualisiert. Aber den Verein gibt es noch, so wurden wir für Freitag um 20:30 Uhr eingeladen, um alle kennenzulernen und uns die Location näher anzusehen.

Piet gaben wir gegen 20:15 Uhr bei meiner Mutter ab, um 20:25 Uhr waren wir am Zollhaus. Nur wir.

Da war kein anderes, fahrtüchtiges, Auto auf dem Parkplatz, die Tür war verschlossen. „Bitte klingeln“ stand neben der Tür. Das taten wir, insgesamt dreimal. Keine Reaktion. Eine Telefonnummer stand neben der Tür, oh, es hob tatsächlich jemand ab und sagte: „Ich mache gleich auf.“
Immerhin, wir wollten schon wieder fahren, denn ich lege sehr großen Wert auf Pünktlichkeit.

Alle anderen Teilnehmer des Kurses offenbar nicht. Nach und nach trudelten alle ein, die letzten kamen gegen 21:15 Uhr.
Uns kam der Abend auch eher wie ein Tango-Salon vor, als wie ein Tanzkurs. Das ist ja nicht schlecht, nur hatten wir etwas anderes erwartet. Alle Anwesenden waren ausnahmslos freundlich und nett, das ist sehr viel Wert.

Das Zollhaus muss man sich wie einen alten Bauernhof vorstellen, sehr urig, mit einem eigenem, nennen wir es mal „morbiden“, Charme. Als wir den Tanzraum betraten, waren wir schon etwas überrascht. Es roch nach feuchtem Keller, Schimmel, faulen Eiern und nassem Hund. Letzterer lag später die ganze Zeit friedlich in der Ecke, dies erklärte zumindest einen der Gerüche im Raum.
Seit meinen Asia-Reisen bin ich bei Gerüchen selbst nicht mehr so empfindlich, auch wenn dort Hund eher auf, als unter dem Tisch zu finden war. Meine Frau ist allerdings um so mehr sensibel. Das hat sich mit der Schwangerschaft noch einmal extrem verstärkt. Sie wäre am liebsten auf der Stelle wieder gefahren, ich konnte sie aber vorerst zum Bleiben überreden.

Der Tanzlehrer war gut. Sein Unterrichtsstil erinnerte mich unglaublich an meinen Großmeister im Kampfsport, als er mir „sein“ Ki-Jitsu erklärte. Tango funktioniert offenbar ganz ähnlich wie diese Kamfsportart, nur, dass man den anderen nicht loswerden will. 🙂
In anderen Tanzschulen lernt man zuerst den Grundschritt, „die machen das alle falsch„, im Zollhaus lernt man zu beginn, wie man „richtig“ geht. Wir haben uns, glaube ich, ziemlich doof angestellt.
In dieser ersten Stunde haben wir es nicht einmal bis zur Tanzhaltung geschafft, aber es war insgesamt ein sehr unterhaltsamer Abend.

Am Ende wurden wir noch mit einem Preis von dreißig Euro für eine Stunde Kreislaufen überrascht. Ich bin mehr als bereit für Tanzstunden zu zahlen, aber ich hätte es dann gerne doch vorher gewusst, wenn eine unverbindliche Probestunde etwas kostet. Immerhin hatte der Workshop in der Vorwoche mit nur zwanzig Euro zu Buche geschlagen, und dort musste ich nicht erst Spinnweben entfernen, um pinkeln gehen zu können.

Der Abend war auf jeden Fall eine Erfahrung, einen Kurs werden wir aber doch nicht belegen. Nicht, weil uns das „Ambiente“ stört, sondern weil es uns und auch unserem Kind einfach zu spät ist. Vielleicht kommen wir in sechs Monaten noch einmal darauf zurück. Mal sehen, wo wir als nächstes landen. Es muss doch möglich sein, einen Tanzkurs zu finden, der wirklich zu uns passt.

Der Blogtitel ist, mal wieder, einem Film entliehen. Der Film „Assassination Tango (Killing Moves)“ ist nicht der Knaller, aber der Soundtrack ist auf jeden Fall für jeden Tango-Argentino-Fan etwas.

 

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