15 Okt

Aber bitte mit Quitte: Chutney, Kuchen, Brot, Gelee, Mus, Marmelde, Curry

Quitten
Quitten

Die Quitte war für mich bis vor kurzem sozusagen ein Fabelobst. Immer mal wieder davon gehört, aber nie bewusst gesehen oder gegessen.

Ähnliches galt auch lange Zeit für die Mispel. Das sollte sich in der letzten Woche schlagartig ändern.

Quitten--Gelee
Quitten–Gelee

Die Tante meiner Frau hat einen recht großen Garten und konnte jetzt im Herbst ein wenig Hilfe gut gebrauchen. Ich war schon beeindruckt, was sich alles in dem Garten fand, da waren Apfelbäume, auch ein Walnussbaum, Stachelbeeren, Blaubeeren, ein Pfirsichbäumchen, ein Nashi-Birnbaum, Brombeeren, Johannisbeeren und ein großer Quittenbaum voller dicker Quitten.

So sehen die also aus, dachte ich mir, vermutlich habe ich diese Bäume und Früchte immer für Birnen gehalten. Quitten haben aber einen ganz eigenen Geruch und können roh nicht verzehrt werden.

Ich bekam einige Kilos davon mit, was sollte ich nun damit machen?

Der Klassiker ist Quitten-Gelee, der aus dem Saft gemacht wird. Die Quitten werden gesäubert und vom Flaum befreit, die Kerngehäuse und Stiele entfernt und dann in Stücke gehackt. In einem Kochtopf mit etwas Zitronensaft und Wasser 30 Minuten kochen lassen und dann die Masse durch ein Küchensieb über Nacht abtropfen lassen. Den Saft abmessen und entsprechend Gelierzucker dazu geben, aufkochen und in Gläser abfüllen. Ein wenig Zimt und Orangenaroma kann auch nicht schaden.

Aus dem Mus (Trester) kann man nun auch noch verschiedene Dinge zaubern:

  • Quitten-Trester ohne Zuckerzugabe für Currygerichte
  • Quitten-Chutney
  • Quittenmus mit (normalem) Zucker als Marmelade
  • Quittenbrot als Süßspeise aus gezuckertem Quittenmus, mit und ohne weitere Zutaten
  • Kuchen mit Quittenmus und Gelee, z.B. Qitten-Streuselkuchen, Quitten-Zitronenkuchen und gedeckter Quittenkuchen

Ich habe natürlich alles ausprobiert. 🙂

Puten-Curry mit Quitten
Puten-Curry mit Quitten

Puten-Curry mit Quitten-Trester

Zutaten:

  • 1 Kg Putenbrust
  • 2 Zwiebeln
  • 12,5 g Kokosfett
  • 150 g rote Linsen
  • 200 g Möhren
  • 200 ml Brühe
  • 250 g Mairübe, oder anderes fest kochendes Gemüse
  • 150 g Joghurt
  • Tomatenmark
  • passierte Tomaten, 300 ml
  • 250 g Quitten-Trester, das Gericht funktioniert auch mit Mango
  • Salz, Chilli, Kreuzkümmel (1 TL), Koriander (2 TL), Kurkuma (1/2 TL), Ingwer (1 TL)

Die Zwiebeln würfeln und im Fett anschmoren, dann die Möhren in Scheiben dazu geben und mit der Brühe ablöschen. Jetzt die Gewürze und die Pute, geschnitten in 2 cm Würfeln, sowie die gewaschenen roten Linsen dabei geben und mit passierten Tomaten auffüllen. Alles ca. 20 – 25 Minuten auf kleiner Flamme köcheln. Zum Schluss den Quitten-Trester und den Joghurt untermischen, mit Salz und Chilli abschmecken. Geht auch gut ohne Reis. Falls es zu flüssig geworden ist, mit Tomatenmark abbinden.

Quittenmus als Marmelade

Quitten-Trester abwiegen und 1:1 mit normalem Zucker aufkochen, 30 bis 60 Minuten köcheln lassen und immer wieder umrühren. Länger köcheln ist besser, zumindest so lange, bis die das Quittenmus die Farbe auf dunkel orange wechselt. Anschließend die Masse pürieren und in Gläser abfüllen. Keinen Gelierzucker verwenden, die Marmelade wird sonst viel zu fest. Wer mag, kann auch hier Zimt und Orangenaroma zugeben. Diese einfache Quittenmarmelade verwende ich auch gerne für Kuchen.

Quittenbrot

Den Quitten-Trester abwiegen, bei mir waren es gute 1400 g und zwei Teile Haushaltszucker (keinen Gelierzucker) und ein Teil Rübenkraut oder Honig beifügen. Ich habe 1000 g Zucker und 400 g Rübenkraut genommen. Zwei Teelöffel Lebkuchengewürz kommen dazu. Alles unter ständigem Rühren aufkochen und 30 Minuten köcheln lassen, alles pürieren und 150g gehackte Mandeln unterrühren. Die Masse in Silikonformen oder auf ein Backblech geben und glatt streichen, es sollte nicht zu dick sein, maximal 1 cm ist ideal. Wer die Mandeln und das Lebkuchen-Gewürz weg lässt erhält die „Urform“ des Quittenbrots (siehe Foto), es erinnert an die Fruchtschnitten, die man im Handel bekommt, man kann diese auch noch mit einer Schokoladenglasur überziehen.

Quittenbrot, ausgestochen, noch unglasiert
Quittenbrot, ausgestochen, noch unglasiert

 

Im Backofen bei offener Tür (Kochlöffel-Spalt) und ca. 50 c° mindestens 4 Stunden trocknen, abkühlen und einige weitere Tage kühl ruhen lassen, zum Beispiel in einem nicht geheiztem Keller. Ich habe aber auch gute Erfahrungen damit gemacht, das Quittenbrot noch einige Tage auf dem Kachelofen zu trocken.

Nach dem Erkalten und Trocknen wird die Masse fest und kann weiterverarbeitet werden. Kokosraspeln oder Backoblaten machen aus dem Quittenbrot eine tolle Leckerei für Weihnachten. Das Quittenbrot ist ca. 4 Monate in einer Tupperdose haltbar.

Als ich das erste Mal das Quitten-Brot aus dem Backofen holte, da war es die Urform, ohne weitere Gewürze, kam mir der Geruch seltsam bekannt vor. Na klar, es roch eindeutig nach Omas Keller. Bis heute wusste ich nicht, was da so intensiv aber lecker gerochen hat. Meine Mutter hatte erwähnt, dass meine Oma regelmäßig Quitten-Brot buk, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, es schon einmal gegessen oder gerochen zu haben. So prägen sich Gerüche in das Langzeit-Gedächtnis, ist schon spannend.

Quitten-Chutney
Quitten-Chutney

Quitten-Chutney

Zutaten

 

  • 600 g Quitten (entkernt, geschält, gewürfelt)
  • 100 g saure Äpfel (entkernt, geschält, gewürfelt)
  • 1 bis 2 rote Zwiebeln
  • 12,5 g Kokosfett
  • 5 EL Honig oder Rübenkraut (150 g)
  • Vanilliezucker
  • 1 TL Chillipulver
  • 3 TL Lebkuchengewürz
  • 1 TL Salz
  • Orangen und Zitronenaroma, ein paar Tropfen
  • 100 ml Apfelsaft / Birnensaft oder Wasser, bei Bedarf mehr
  • 2 EL Weißweinessig

Die gewürfelten Zwiebeln anschmoren, mit Essig und Saft ablöschen, Gewürze, Honig, Aromen und die vorbereiteten Quitten zugeben, alles ca. 1 Stunde unter Rühren köcheln lassen, dann einmachen. Wer kein Aroma verwenden möchte, einfach das echte Zeug nehmen, für den ersten Versuch wollte ich aber keine Vanille-Schote opfern.

Quitten-Chutney passt gut zu Käse und Wildgerichten.

Die Rezepte für die Quittenkuchen reiche ich bald nach, der letzte wurde vernichtet, bevor ich ein Foto machen konnte. 🙂

 

6 thoughts on “Aber bitte mit Quitte: Chutney, Kuchen, Brot, Gelee, Mus, Marmelde, Curry

  1. Hallo und einen wunderschönen Tag !
    Ich freue mich über die schönen Rezepte . Quitte liebe ich schon von meiner Kindheit , leider habe ich sie selten bekommen . Nun habe ich einen eigenen Baum und das Quittenbrot machte meine Großmutter immer für uns . Ich habe es geliebt , danke für das Rezept will es gleich nach machen . Schön , dass es Männer gibt die auch daran Freude haben .
    Ich bin Hobbyköchin , habe eine Kochschule und will meine Teilnehmer damit beschenken .
    Liebe Grüße
    Christel Looft von der Nordsee

  2. Hallo lieber Vollzeitvater,
    wow, Wahnsinn, was du da alles aus den Quitten gezaubert hast, Hut ab! Das Quittenbrot merke ich mir gleich mal für die Adventszeit vor, ebenso wie das Quittenchutney, denn das macht sich sicher super als kleines Gastgeschenk an den Weihnachtstagen.
    Ich finde es toll, dass du auch den Trester verwendest, denn viele Leute würden ihn sicher einfach entsorgen. Von daher freue ich mich immer sehr, wenn Leute Lebensmittel wirklich „komplett“ verwerten. Daumen hoch! (Und, Fun Fact, wusstest du übrigens, dass eine der bekanntesten Spirituosen ebenfalls aus Trester gemacht wird? Der Grappa nämlich, er wird aus dem Trester der Weinherstellung gewonnen. […]

    Danke für deine Rezepte & LG,
    Stina

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